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Literaturkritik – Wir, die wir jung sind von Preti Taneja

Eine dramatische Familiengeschichte, die zugleich die Geschichte eines Firmenimperiums und eines Landes, die brutale, letztlich scheiternde Machtübergabe von den Alten zu den Jungen darstellt, von den Männern zu den Frauen – das erzählt Preti Taneja in ihrem preisgekrönten, spannenden und gewaltigen Debütroman.

Der alte Devraj, ehemaliger Maharadscha und Chef eines mächtigen indischen Mischkonzerns, der nur ehrfürchtig „The Company“ genannt wird, ist alt geworden und will sein Erbe verteilen. Er hat drei Töchter, Ranjit Singh, sein Berater, Teilhaber und Wegbegleiter, hat zwei Söhne, die ebenfalls mit bedacht werden sollen. Wer wird sich durchsetzen in diesem umfassenden Machtkampf, der auch ein Geschlechterkampf ist?

Mit hoher Präzision und Intensität, nah an den Figuren entlang, erzählt Preti Taneja in diesem unerschrockenen, ergreifenden, aber auch sarkastischen Familienepos, dicht angelehnt an Shakespeares „King Lear“, eine brisante und düstere, universelle Geschichte von Macht, Verrat, Untergang und Überleben.

Autorin des Buches & Kurzbeschreibung von Wir, die wir jung sind
© Louise Haywood Scheifer

Als Tochter indischer Migranten in Großbritannien ist Preti Tanejas zwischen zwei Kulturen aufgewachsen; in keiner der Kulturen fest beheimatet und doch beiden zugehörig. Sie fühlt sich als Weltenbürgerin, deren Arbeit sie an die unterschiedlichsten Orte führt: als Menschenrechtsaktivistin und Reporterin sowie Filmemacherin hat sie etwa im Irak, in Jordanien, Ruanda und im Kosovo gearbeitet. Ihr Dasein als Weltenbürgerin spiegelt sich auch in ihrer vielseitigen Karriere wider: ein Bachelor in Theologie und Religionswissenschaft, ein Master in Kreativem Schreiben mit anschließendem Doktortitel in Englischer Literatur; Journalistin, Menschenrechtsaktivistin, Mitbegründerin einer Filmproduktionsgesellschaft und Herausgeberin einer online Anthologie, in der Worte und Kunst verknüpft werden. Und nicht zuletzt natürlich Autorin. Mit Preti Taneja gewinnt die internationale Literatur eine vielversprechende, wichtige neue Stimme!

Quelle: vorablesen.de


C.H. Beck Verlag

Gebundenes Buch
629 Seiten

ISBN: 978-3-406-73447-2

Erschienen am 14. Februar 2019

Danke an den C.H. Beck Verlag und Vorablesen für die Bereitstellung dieses Buches für eine Literaturkritik auf beizeitenbuecher.de.


Das Cover versprüht pure Lebensfreude, die Farben und die Schrift sind wunderbar aufeinander abgestimmt. Ich war vom ersten Moment an in das Cover verliebt. Der Titel hingegen lässt sich manches Mal schwer aussprechen, gefällt mir aber trotzdem total gut. Zudem lässt er zu Anfang nicht sehr tief blicken, umschreibt aber die Geschichte gut.


Der liebe Plot, der eigentlich gut durchdacht aber beim Lesen total zäh wurde, hat mich leider nicht überzeugt. Anfangs als ich die Leseprobe las, war ich wirklich begeistert, vor allem von manchen Umschreibungen, die fast eine Prise Magie versprühten und die vor meinem geistigen Auge auftauchten. Doch leider blieb es bei diesen kurzen Momenten und hielt mich nicht fest. Der Plot blieb weiterhin zäh, da alleine am Anfang erst einmal die Protagonisten die Hauptrolle spielen und man einiges über sie erfährt. Dies ist nicht schlecht aber es wird sich so sehr daran aufgehalten, dass man von Seite zu Seite echt frustriert ist. Ich wollte einfach das es weitergeht aber irgendwie plätscherte es vor sich hin. Das Denken des Protagonisten wird beschrieben, alles was der Protagonist um sich herum wahrnimmt wird festgehalten und dies zieht es unnötigerweise in die Länge. Ich denke, dass man einiges hätte streichen können. Es ist nicht verkehrt, in das Denken der Person, um die es gerade geht, einzutauchen – ganz im Gegenteil aber man muss doch nicht alles bis ins kleinste Detail erläutern. „Der Sand ist Orange wie geraspelte Orangenschalen“, „Die Sonne am Horizont des blauen Himmels, diesen Sommer, wirft Schatten hinter die grauen Dächer mit ihren vergilbten Ziegelsteinen, in dessen dunkler Ecke eine alte, dicke Katze sitzt“,  gilt im übrigen als Beispiel dafür, wie die Sicht des Protagonisten ist. So wird aus seiner Sicht seine Umwelt beschrieben. Immer und immer wieder. Dies könnte man ebenso auf weitere Protagonisten in dieser Geschichte beziehen. Ein bisschen davon ist in Ordnung aber nicht die gefühlt ersten hundert Seiten, sodass man einfach die Freude daran verliert. Gefühlt ging es das ganze Buch so.

Die Geschichte und somit der Plot sind grundlegend gut, da eine wunderbare Geschichte dahinter steckt, eine Message. Durch diese ganzen Be- und Umschreibungen nahezu, ist der Plot gleich mit langweilig weil weniger einfach mehr ist.

Wie auch der Plot, ist der Schreibstil, eben durch die Be- und Umschreibungen sehr zäh und hemmt den Lesefluss dieses dicken Wälzers ungemein. Es wird wie oben schon geschrieben, vieles umschrieben, beschrieben und einfach im Endeffekt zu viel geschrieben. Darunter leidet der Lesefluss sehr und macht den Schreibstil sehr schwergängig. Ich kam einfach nicht voran und ich musste einen Satz sogar mehrmals lesen, bis ich ihn verstanden habe. Für mich einfach anstrengend.


Die Protagonisten waren für mich leider auch nicht wirklich der Hit. Wenn ich mich an den Anfang erinnere und an den ersten Hauptprotagonisten, sowie seinen Vater und einen guten Freund von ihm, fehlte mir einfach die Tiefe. Sie waren einfach da, haben mich aber keineswegs berührt, zum Nachdenken gebracht, geschweige das ich einen Draht zu ihn hatte. Ich konnte sie nicht greifen, sie schienen nicht unbedingt dreidimensional, was daran liegen könnte, dass einfach zu viel noch zwischendurch gedacht, gemacht und überhaupt wurde. Ich habe mir Protagonisten vorgestellt, die für mich greifbar sind, mit denen ich mitfühlen und mitfiebern kann, doch all das blieb leider aus.

 


Ein langatmiger und dicker Wälzer mit wunderschönem Coverdesign, der sich so manches Mal an kleinen Dingen aufhält, die nicht sein müssten.

7 Comments

  • Julia

    Danke für deine ehrliche Kritik. Das Buch sieht wirklich ansprechend aus und ich liebe ja diese Art von Literatur…Aber ich mag es sich nicht wenn alles zu umschrieben und langatmig ist, also werde ich von diesem Bauch wohl lieber die Finger lassen!

  • EARLYHAVER

    Das klingt wahrlich interessant! Auch die Gestaltung des Buchs ist wirklich cool. Der Verlag preist es selbst auf seiner Website an. Wie stehst du eigentlich zu Ebooks? Was meinst du, wie lange es noch Bücher geben wird?

  • Carry

    Wirklich schade, dass sich das Buch als nicht so gut wie es sich anhört herausgestellt hat. Die Story finde ich nämlich super interessant und auch das Cover sehr ansprechend. Wobei ich sagen muss, dass für mich das farbenfrohe Cover zunächst nicht zum Inhalt passt. Vielen Dank für deine Rezension und, dass du mich/uns vor einem Fehlkauf bewahrst 🙂

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